Mangelernährung: Wenn die Muskeln schwinden
Forschungsförderung unterstützt Studie zum Thema Muskelschwäche bei krankheitsbedingter Mangelernährung
Kerkrade, 14. Januar 2005. Langwierige Erkrankungen führen oft zu Mangelernährung und in der Folge zu Muskelschwäche. Wissenschaftler vermuten schon seit längerem, dass oxidativer Stress die Hauptursache hierfür sein könnte. Nun soll eine an der Berliner Charité durchgeführt und von der Forschungsförderung unterstützte Studie den Beweis liefern.
"Die Ursache für krankheitsbedingte Muskelschwäche ist nach wie vor unklar", berichtet Kristina Norman vom Fachbereich Gastroenterologie der Charité. Zwar hätten Tier- und In-vitro-Versuche gezeigt, dass ein Mangel an Antioxidantien, wie Vitamin C, E, Beta Carotin, Selen oder Zink, Schäden an Muskelproteinen zur Folge haben kann. Allerdings ist die Forschung den endgültigen Nachweis, dass oxidativer Stress aufgrund von krankheitsbedingter Mangelernährung negative Auswirkungen auf die Funktion der Muskeln hat, bislang schuldig geblieben.
Dabei liegt ein Zusammenhang durchaus nah: Oxidativer Stress ist nachweislich für die Zerstörung von Proteinen verantwortlich und schädigt sowohl die Lipide als auch die DNA. Verursacher sind so genannte Freie Radikale, aggressive Sauerstoffmoleküle, die chemisch leicht mit anderen Substanzen reagieren und die Körperzellen angreifen. Einen natürlichen Schutz vor Freien Radikalen bieten Antioxidantien. Diese werden jedoch vom Körper verbraucht und müssen mit der Nahrung ständig neu aufgenommen werden. In bestimmten Situationen schüttet der Körper verstärkt Freie Radikale aus und der Bedarf an Antioxidantien steigt - nämlich vor allem dann, wenn der Organismus seine körpereigenen Schutzfunktionen aktiviert. Dies wiederum ist bei den meisten Krankheiten der Fall.
"Unser Ziel ist eine genauere Charakterisierung der Muskeldysfunktion, die aufgrund von Mangelernährung in Folge einer Krankheit auftritt", erklärt Frau Norman. Etwa 200 Patienten der Charité will die 30-Jährige Oecotrophologin zu diesem Zweck im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersuchen. Neben dem individuellen Ernährungszustand wird die Kraft der Hand- und der Atemmuskulatur ermittelt. Sollte sich ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Ernährungszustand und Muskelkraft ergeben, könnte Muskelschwäche beispielsweise durch die Einnahme von Mikronährstoffpräparaten in Zukunft vorgebeugt werden. Ein Aspekt, dem das Vorhaben unter anderem die Unterstützung durch die Forschungsförderung verdankt. "Eine Muskelschwäche in Folge einer langwierigen Erkrankung verlängert nicht nur die Rekonvaleszenz, sondern kann für die Patienten schnell zur seelischen Belastung werden", so Michael Faber von der Forschungsförderung. "Das muss nicht sein. Schließlich gibt es schon seit langem entsprechende Mikronährstoffpräparate, mit denen den Betroffenen geholfen werden könnte."
Noch ist Kristina Norman mit ihrem Projekt erst in der Phase der Datenerhebung. Sollte sich ihre Hypothese bestätigen, sind weitere Folgestudien geplant. Studien, die die Forschungsförderung mit Interesse verfolgen wird. "Es ist nicht auszuschließen, dass wir Frau Norman weiter unterstützen", so Michael Faber.
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