Forschungspreis dank Vitamin B
Dr. Iris Tetzlaff-Fohr gewinnt den Wissenschaftspreis Mikronährstoffe 2004
Kerkrade, September 2004. Dr. Iris Tetzlaff-Fohr heißt die Gewinnerin des diesjährigen Wissenschaftspreises Mikronährstoffe. Die Auszeichnung hat sie vor allem dem B-Vitamin Folat zu verdanken. In ihrer Dissertation war der Ökotrophologin der Nachweis gelungen, dass eine bislang weitestgehend unbeachtete Form dieses B-Vitamins in bestimmten Fällen den Homocystein-Spiegel senken kann.
Eine hohe Konzentration der körpereigenen Aminosäure Homocystein im Blut gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose und schweren embryonalen Fehlbildungen. Ursachen sind genetische Defekte aber auch eine unzureichende Versorgung mit bestimmten B-Vitaminen, darunter vor allem Folat. Weitestgehend unerforscht war bislang die Tatsache, dass neben der Einnahme von Folsäure insbesondere Methylfolat einen positiven Effekt auf den Homocystein-Wert haben kann.
Der wissenschaftliche Nachweis war Dr. Iris Tetzlaff-Fohr in ihrer Doktorarbeit gelungen. Die 33-Jährige fand heraus, dass Folsäure und Methylfolat schon in niedriger Dosierung bei Personen mit bestimmten genetischen Defekten ausreichen, den Homocysteinspiegel deutlich zu senken. Eine Erkenntnis, die ihr neben dem Wissenschaftspreis Mikronährstoffe im selben Jahr auch den Oecotrophica-Preis 2004 des "Verbandes der Diplom-Oecotrophologen" (VDOE) einbrachte.
"Meine Arbeit zeigt, wie wichtig eine adäquate Folatversorgung für die Volksgesundheit ist", erklärt die in Hamburg lebende Wissenschaftlerin. Große Teile der Bevölkerung, so schätzt sie, würden von einer höheren Folataufnahme, zum Beispiel in Form von folatreichen Lebensmitteln oder entsprechenden Supplementen, profitieren. Denn der Konsum von vitaminreichem Obst und Gemüse liegt mit durchschnittlich weniger als 250 Gramm pro Tag und Kopf deutlich unter dem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Richtwert von 600 Gramm. Dabei sollten gerade Frauen im gebärfähigen Alter und Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen auf eine ausreichende Versorgung mit Folat achten.
Die im rheinischen Bendorf geborene Forscherin kam schon früh während ihres Studiums an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn mit dem Thema in Kontakt. Damals zunächst als Probandin bei klinischen Studien. Doch die Frage, ob sich der Homocystein-Wert eines Menschen durch die Einnahme von Folat herabsetzen lässt, ließ die ehrgeizige junge Frau vorerst nicht mehr los. Schon bald erarbeitete sie mit ihrem Doktorvater Professor Dr. Klaus Pietrzik eine konkrete Fragestellung für ihre eigene Forschungsarbeit. Erstmals beschäftigte sie sich darin mit der Senkung des Homocystein-Spiegels durch die Einnahme von Methylfolat und berücksichtigte dabei gleichzeitig den Einfluss bestimmter genetischer Merkmale.
Mittlerweile hat Iris Tetzlaff-Fohr ihre Dissertation mit dem Traumergebnis 1,0 abgeschlossen und ist bei der Hamburger medac GmbH angestellt, bei der sie an der Erforschung eines Wirkstoffes zur Bekämpfung von Blutkrebs arbeitet. Einen Teil der 5000 Euro Preisgeld will sie einer gemeinnützigen Vereinigung spenden, die schwerkranken Kindern ihre Herzenswünsche erfüllt.
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